Bild von Clemens Ratschan
„Letzten Sommer haben wir die ältesten und kräftigsten unserer Jungtiere in die Große Mühl gesetzt und sie fühlen sich an ihrem nur uns bekannten Standort wohl“, freut sich Sophie Humenberger von der önj Haslach und BOKU Wien, als Koordinatorin: „Das wissen wir, weil wir einen Teil mit PIT-Tags besendert haben und uns regelmäßig auf die Suche begeben.“ Nach den langjährigen Nachzuchtversuchen ist es ein großer Erfolg.
Zu den Anfängen des Projekts: In der Großen Mühl gibt es noch wenige Muschel-Restbestände. „Um sie zu retten, werden sie seit 2016 von der önj Haslach erfolgreich nachgezüchtet“, so Humenberger. Seitdem werden jedes Jahr im August trächtige, adulte Muscheln aus der Großen Mühl für einige Wochen gemeinsam mit jungen Bachforellen in Rundstrombecken gehältert. „Die Muscheln geben dort ihre Glochidien ab, die sich in den Kiemen der Bachforellen festsetzen können.“
Mit 15 Jahren fortpflanzungsfähig
Anschließend werden diese zurück in die Große Mühl gebracht, wo im Frühling die Jungmuscheln aus den Kiemen der Bachforellen fallen. Die winzigen Muscheln werden in Lochplatten oder Holzboxen zurück ins Gewässer gesetzt und regelmäßig gereinigt. „Erst mit 15 Jahren sind die sie fortpflanzungsfähig. Unter günstigen Bedingungen können sie ein hohes Alter bis zu 120 Jahren erreichen“, weiß Humenberger.
Die Ursachen für die schlechten Bestände seien laut önj-Auskunft vielfältig: Waren früher Perlfischerei, saurer Regen und Gewässerverunreinigungen die größten Gefahren, sind es aktuell die Auswirkungen von wasserbaulichen Maßnahmen, der Klimakrise und zu vielen Feinsedimenten im Gewässer, die vor allem jungen Muscheln zum Verhängnis werden. Dabei spielen die Zubringerbäche und die Landnutzung eine wichtige Rolle.
Hohe Ansprüche an Wasserqualität
„Die Tiere stellen hohe Ansprüche an die Wasserqualität und Flusslandschaft. Entscheidend für das Überleben von kleinen Jungmuscheln sind gut durchströmte, aber stabile Sedimente am Gewässergrund“, weiß Humenberger. „Der sogenannte ‚Kieslückenraum‘, wo die Jungmuscheln die ersten Jahre vergraben leben, ist oft mit Feinsedimenten verstopft, oder das Bachbett ist flächig mit Granitgrus, ein sandiges bis kiesiges Verwitterungsmaterial von Granit, bedeckt“, erklärt sie. Dies sei auch kein geeignetes Laichsubstrat für die heimische Bachforelle, die im Fortpflanzungszyklus der Muscheln wichtig sind.
Lebensräume zukünftig verbessern
Gemeinsam mit der Gebietsbetreuung des Europaschutzgebietes Böhmerwald und Mühltäler und der Naturschutzabteilung OÖ plant man daher an einigen Stellen Umgestaltungen von Uferrandstreifen an der Großen Mühl und Zubringerbächen. „Dadurch soll eine Aufwertung der Lebensräume der Flussperlmuscheln und eine Verbesserung der Biodiversität erzielt werden“, so die Projektbetreiber. Das Projekt kann man auch in Form einer FLUP-Patenschaft übernehmen. Mehr dazu unter www.oenj-haslach.at
Zur Sache:
Mehr zum Projekt Langzeitprojekt „Zukunft Flussperlmuscheln an der Großen Mühl“ und anderen önj Projekten sowie über die Öko-Inseln erfährt man im önj-Buch „ÖKO-Inseln-Wert und Bedeutung für Natur und Mensch.“ Das önj-Buch kostet 49 Euro, zuzüglich Versand 53,65 Euro. Es kann per E-Mail bestellt werden: buch@oenj-haslach.at.
Text verfasst von Helmut Eder
